Europas Payment-Zukunft 2026: Diese sechs Trends prägen das kommende Jahr

03 / 12 / 2025

2025 war ein Jahr des Umbruchs im europäischen Zahlungsverkehr: Mit wichtigen regulatorischen Veränderungen, dem Aufstieg digitaler Wallets und der zunehmenden Nutzung von Instant Payment entwickelte sich der Sektor rasant. Komfort, Geschwindigkeit und Ausfallsicherheit sind nun essenziell, wohingegen die Debatte um digitale Souveränität an Dringlichkeit gewonnen hat. Sheri Brandon, Global Head New Business Worldline Financial Services, sieht für 2026 sechs Entwicklungen, die nicht nur Technologie, sondern auch Geschäftsmodelle nachhaltig verändern werden.

People crossing the street

1. DORA: Resilienz als strategische Grundlage

Der Digital Operational Resilience Act (DORA) – seit Januar 2025 in Kraft – macht operative Widerstandsfähigkeit zum strategischen Schwerpunkt für Banken sowie ihre Technologiepartner und stellt hohe Anforderungen an Vorsorge, Überwachung durch Dritte sowie Kontinuität.

„DORA hebt Resilienz von einer internen Aufgabe auf die Ebene einer regulatorischen Erwartung. Das Gesetz fordert von Finanzunternehmen, Störungen systematisch zu antizipieren, ihnen standzuhalten und sie zu beheben.“

2026 dürfte DORA auch außerhalb von Europa zur Blaupause für Regulierungen und Risiko-Management werden. Wer jetzt in systematische Krisenprävention investiert, sichert sich einen klaren Vorteil.

2. Die Revolution der digitalen Wallets

Digitale Wallets sind heute kein Trend mehr, sondern Teil der Kundenerwartung. Verbraucher wünschen sich einfache, sichere und vertraute Zahlungsmethoden und brechen den Kaufvorgang ab, wenn ihre bevorzugte digitale Geldbörse nicht angeboten wird.

„Verbraucherfreundlichkeit muss im Zentrum allen Handelns stehen. Unser Ziel ist es, Wallets breitflächig zu akzeptieren und gleichzeitig beim Markteintritt zu unterstützen. Worldline bietet Lösungen, die von der Informationserfassung über die Transaktionsumgebung bis hin zu KI-Nutzungen reichen. Letztere helfen Unternehmen beispielsweise dabei, über die Verarbeitung einer Transaktion zu entscheiden oder Anomalien zu erkennen – und dabei gegebenenfalls einzugreifen.“

Im Jahr 2026 wird sich die Akzeptanz digitaler Wallets weiter erhöhen. Neue Regulierungen wie die EU Digital Identity Wallet (EUDI Wallet) unter eIDAS zeigen, wie stark sich Identifikation, Authentifizierung und Zahlung in Zukunft verzahnen werden.

3. Koexistenz der Zahlungssysteme

Die Zahlungslandschaft erfuhr 2025 einen fundamentalen Wandel durch neue Zahlungssysteme, die vorherrschende, traditionelle Kartensysteme infrage stellten. Account-to-Account-Zahlungen (A2A), Instant Payment und innovative Overlay-Systeme gewinnen immer mehr an Bedeutung und werden durch Initiativen wie WERO und EuroPA angetrieben. Eine paneuropäische Infrastruktur ist keine Utopie mehr.

„Die Zukunft des Zahlungsverkehrs bedeutet nicht, ein System gegenüber dem anderen auszuspielen, denn jede Zahlungsmethode hat ihre eigenen Stärken.“

Das bedeutet: Händler und Plattformen müssen ihren Kunden Wahlmöglichkeiten und Flexibilität bieten. Mit Blick auf das Jahr 2026 wird die Möglichkeit, nahtlos zwischen Karten, A2A-Systemen, Overlay-Wallets oder tokenbasierten Systemen zu wechseln, ein entscheidender Erfolgsfaktor für Anbieter sein.

4. Souveränität versus Bequemlichkeit

Ein zentrales Thema ist die geopolitische Dynamik der Zahlungslandschaft in Europa. Die Abhängigkeit Europas von US-amerikanischen Karten- und Technologieanbietern hat in Bezug auf die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit und technologische Autonomie Fragen aufgeworfen. Gleichzeitig legen Verbraucher aber vor allem Wert auf Komfort. Der digitale Euro steht gemeinsam mit Initiativen wie WERO und EuroPA für das strategische Streben Europas nach Autonomie.

Dieses Spannungsfeld zwischen Souveränität und nahtloser Usability wird sich 2026 verschärfen. Selbst streng kontrollierte inländische Lösungen könnten ins Wanken geraten, wenn sie in puncto Umfang und Benutzerfreundlichkeit nicht mit globalen Alternativen mithalten können. Infolgedessen erkennt Europa zunehmend, wie wichtig ein pluralistisches Zahlungsökosystem ist, in dem regionale und globale Akteure koexistieren. Dabei müssen Interoperabilität und Benutzererfahrung immer im Vordergrund stehen.

Mit Blick auf die Zukunft wird die Herausforderung darin bestehen, Innovationen zu fördern und die richtigen kommerziellen, regulatorischen und technischen Anreize für deren Einführung zu schaffen, ohne die Zahlungslandschaft zu fragmentieren.

5. Sofortzahlungen, Echtzeit-Erwartungen und KI-gestütztes Risikomanagement

Sofortzahlungen werden zur Norm, da die Regulierung ihre Einführung beschleunigt. Schnellere Zahlungen erfordern jedoch stärkeren Schutz. KI-gestützte Betrugserkennung, Geräteintelligenz und Verhaltensanalysen werden mit steigendem Volumen an Soforttransaktionen immer wichtiger.

„Aus praktischer Sicht wird der Unterschied zwischen Akzeptanz und Ablehnung zunehmend davon abhängen, ob Zahlungen schnell und sicher sind. Im Jahr 2026 wird ein integriertes Risikomanagement unverzichtbar sein.“ Im Hinblick auf die Zukunft werden integriertes Risikomanagement und KI-gesteuerte Security unerlässlich sein, um Vertrauen aufzubauen und die Akzeptanz aller Zahlungssysteme voranzutreiben.

6. PSD3: Eine neue Ära des Wettbewerbs und des Verbraucherschutzes

Die bevorstehende dritte Zahlungsdiensterichtlinie (PSD3) und die dazugehörige Zahlungsdiensterichtlinie (PSR) sind Europas nächster großer Schritt hin zu einem einheitlicheren und wettbewerbsfähigeren Zahlungsmarkt. Aufbauend auf den Grundlagen des Open Banking der PSD2 konzentriert sich die PSD3 auf die Stärkung des Verbraucherschutzes, die Verbesserung der Betrugsbekämpfung und die Gewährleistung eines faireren Zugangs zur Zahlungsinfrastruktur für neue Marktteilnehmer.

„Bei PSD3 geht es darum, das Open-Banking-Ökosystem weiterzuentwickeln. Sie schließt die Lücken der PSD2 und schafft die Grundlage für mehr Innovation, bessere Authentifizierung und gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Akteure der Branche.“

Mit dem Voranschreiten der Vorschläge im Jahr 2026 müssen sich Zahlungsanbieter auf strengere Authentifizierungsregeln, erhöhte Transparenzanforderungen und einen verbesserten Datenzugriff für Drittanbieter einstellen. Letztendlich zielt PSD3 darauf ab, schnellere, sicherere und benutzerfreundlichere digitale Zahlungen in ganz Europa zu ermöglichen.

Ausblick: Innovationen 2026

Die Themen, die das Jahr 2025 geprägt haben, werden im kommenden Jahr nur noch wichtiger. Die Zukunft des Zahlungsverkehrs liegt nicht in einem neuen System – sondern in der Fähigkeit, Sicherheit, Identität, Nutzererlebnis und Infrastruktur miteinander zu verknüpfen. Wer es schafft, all das intelligent zu orchestrieren, kann 2026 nicht nur regulierungskonform, sondern auch marktführend agieren.

Sheri Brandon

Sheri Brandon

Global Head of New Business Worldline Financial Services
Sheri Brandon ist seit 2020 bei Worldline. Während ihrer Laufbahn in der Zahlungsverkehrsbranche hat sie den SEPA-Zahlungsverkehr und den Kartenrahmen maßgeblich beeinflusst. Sie hat einen Bachelor-Abschluss in Informatik und ist davon überzeugt, dass Technologie die transformative Kraft ist, die den Zahlungsverkehrssektor maßgeblich verändert.