BNPL im Faktencheck: Chancen und Risiken für Schweizer Händler

16 / 12 / 2025

Erfahren Sie, wie BNPL in der Schweiz funktioniert, wer die Anbieter sind, welche Kosten anfallen und wie Sie den passenden BNPL-Dienst auswählen.

Frau, die an einem Tisch sitzt und einen Laptop benutzt.

BNPL im Faktencheck: Chancen und Risiken für Schweizer Händler

Die Schweiz entdeckt Buy Now, Pay Later (BNPL) gerade richtig für sich. Der klassische „Kauf auf Rechnung“ war schon immer beliebt – fast 70 % der Onlinehändler setzen laut Onlinehändlerbefragung 2025 der ZHAW darauf.

Jetzt holen digitale BNPL-Lösungen massiv auf: 2025 wird ein Volumen von 2,12 Milliarden USD erwartet – ein Wachstum von 12 % gegenüber dem Vorjahr. Seit 2021 verzeichnet der Markt beeindruckende Zuwächse, und auch in den kommenden Jahren bleibt der Trend stark: Bis 2030 könnte der Markt auf rund 3,22 Milliarden USD anwachsen.

Schweizer Buy Now Pay Later Markt

Marktprognose für ein jährliches Wachstum von 8,7%

Swiss Buy Now Pay Later market chart
Source: https://www.researchandmarkets.com/reports/5305004/switzerland-buy-now-pay-later-business

Der Grund für den Boom ist klar: Online-Shopping wächst rasant, und die Kunden wollen Flexibilität. Sofort bestellen aber die Zahlungen aufschieben – ohne Stress, ohne Zinsen – das trifft den Nerv einer breiten Zielgruppe. Wer hier nicht mitzieht, verliert Kunden.

Doch wer steckt hinter dem Modell? Welche Kosten entstehen dabei – und wer trägt sie wirklich? Wie entscheidet man sich für den richtigen Anbieter? Und welche Stolpersteine kann BNPL bereithalten?

Wichtige BNPL-Anbieter in der Schweiz

Die attraktive Schweizer Kaufkraft und eine starke E-Commerce-Infrastruktur locken internationale BNPL-Anbieter auf den Markt. Das bedeutet mehr Auswahl für Online Shopper – und Druck für lokale Anbieter, innovativ zu bleiben. Mehrere Unternehmen bieten derzeit BNPL-Dienste in der Schweiz an:

  • TWINT: Die «Später bezahlen» Funktion in der App ermöglicht es Nutzern, innerhalb von 30 Tagen zu bezahlen. Die Option wird mit Swissbilling (eine Marke der CembraPay AG) angeboten.
  • Klarna Bietet Nutzern die Sofortzahlung, Zahlung in bis zu 30 Tagen oder in 3 zinsfreien Teilzahlungen (abhängig vom Anbieter).
  • PayPal: Nutzer können mit PayPal 30 Tage nach dem Kauf zahlen. Grössere Einkäufe können nach Bedarf in 3, 6, 12 oder 24 monatlichen Raten bezahlt werden.
  • Swissbilling ist die BNPL-Tochter von Cembra und arbeitet mit einer Reihe von Detailhändlern sowie auch TWINT zusammen für die Finanzierung.
  • AfterPay lässt Nutzern die Wahl, über einen Zeitraum von 3, 6, 12 oder 24 Monaten zinsfrei ihre Einkäufe zu bezahlen.
  • CembraPay: Vielen noch bekannt als Byjuno, heisst die Lösung neu CembraPay, welche aus der Verbindung von Swissbilling und Byjuno entstand und zur Schweizer Bank Cembra gehört. CembraPay bietet Zahlung auf Rechnung sowie Zahlung in Raten über einen Zeitraum von 3 bis 48 Monate.
  • RatePay: Bezeichnet sich selbst als Europas White-Label BNPL-Anbieter Nr. 1 und bietet mit Ratepay-Ratenkauf Käufern Laufzeiten von bis zu 36 Monaten an.
  • HeidiPay (neu HeyLight): Bietet Käufern die Möglichkeit, ihre Bestellung in 4, 6, 12 oder 24 Monaten zu bezahlen. Dabei hinterlegt der Nutzer eine Debit-/Kreditkarte und monatlich wird die ausgewählte Rate abgebucht.
  • Riverty: Gehört zum Finanzdienstleister Arvato Financial Solutions und bietet Käufern die Möglichkeit, Einkäufe erst nach 14 Tagen zu bezahlen.

Die Liste zeigt, dass BNPL (Buy Now, Pay Later) in der Schweiz sehr fragmentiert ist. Der „richtige“ Anbieter hängt stark von Zielgruppe, Geschäftsmodell und Prioritäten ab.

Kosten – Wer trägt sie?

Händlergebühren, damit der BNPL-Anbieter das Risiko trägt und die Finanzierung möglich wird. Konkret bedeutet das:

Für Käufer (Endkunden)

  • Zinsfrei-Optionen: „Pay later in 14/30 Tagen“ oder „3 Raten zinsfrei abhängig vom Anbieter“ → es entstehen mitunter Kosten für den Käufer.
  • Längere Laufzeiten (6, 12, 24, 48 Monate): oft Zinsen oder Gebühren für den Käufer (der effektive Jahreszins kann zwischen 9–14 % liegen)
  • Mahngebühren: Wenn der Käufer nicht rechtzeitig zahlt, fallen meist zusätzliche Kosten an.

Für Händler

  • Transaktionsgebühren: Meist 1,5–3 % vom Umsatz + kleine Fixgebühr pro Transaktion (Bsp: 1–3 % vom Warenkorbwert + CHF 0.30–0.50 pro Transaktion)
  • Keine Zinsbelastung: Händler zahlen keine Zinsen auf die Finanzierung – das übernimmt der Käufer/Endkunde.
  • Ausfallrisiko: Liegt in der Regel beim BNPL-Anbieter (Klarna, PayPal, CembraPay etc.), nicht beim Händler. Dafür zahlt der Händler eine Gebühr – auch wenn der Käufer nicht zahlt, erhält der Händler sein Geld.
  • Zusatzkosten: Manche Anbieter berechnen Service-/Setup-Gebühren oder Gebühren für Rückbuchungen, Mahnprozesse oder Chargebacks.

Kriterien zur Auswahl eines BNPL-Anbieters

  1. Zielgruppe & Reichweite: Ist der Shop lokal oder international ausgerichtet? Welche Lösung kennen und nutzen die Kunden schon? (z.B. TWINT in der Schweiz, Klarna europaweit, PayPal global)
  2. Zahlungsoptionen & Flexibilität: Was bietet der Anbieter an? Kurzfristig (14–30 Tage, Rechnung) vs. mittelfristig (3–12 Raten) vs. langfristig (bis 48 Monate) – je nach Warenkorbgrösse sollten auch die Ratenzahlungen ausgerichtet sein.
  3. Integration & Checkout-Experience: Ist der Anbieter bereits im Shop-System oder beim PSP (Payment Service Provider) integriert z.B. wie Klarna bei Shopify? Wie einfach ist die User Journey (App, Rechnung, Kartenbelastung) für den Käufer?
  4. Kosten & Risiko für Händler: Wie sieht die Gebührenstruktur aus, mit welchen Kosten ist zu rechnen?
  5. Brand & Trust: Manche Kunden vertrauen lokalen Lösungen (TWINT, CembraPay), andere bevorzugen international bekannte Namen (Klarna, PayPal).

Kulturelle und rechtliche Aspekte in der Schweiz

In der Schweiz ist die Zahlungsmoral traditionell von Vorkasse und Sofortzahlung geprägt, das zeigen die Zahlen der aktuellen Onlinehändlerbefragung der FHNW 2025, laut der 68.3% der Händler Vorauskasse als Zahlungsmethode anbieten. Das Konzept des "Jetzt kaufen, später bezahlen" ist hier weniger verbreitet als in anderen Ländern, was die Akzeptanz von BNPL-Diensten beeinflusst.
Dies zeigt sich auch im stationären Handel, wo die Bezahlung häufig sofort fällig wird, insbesondere bei Dienstleistungen oder spezialisierten Einzelhändlern. Auch bei Retouren ist es üblich, dass Rückerstattungen erst nach Prüfung der zurückgesendeten Ware erfolgen.

Verantwortungsvoller Umgang: In der Schweiz, wie auch im Europäischen Ausland, gibt es Bedenken hinsichtlich der Verschuldung, insbesondere bei jüngeren Verbrauchern. Einige Medien berichten von Fällen, in denen junge Menschen durch BNPL-Angebote in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind.
Zudem gibt es gesetzliche Vorgaben: Kredite mit Rückzahlungsfristen von mehr als drei Monaten unterliegen in der Schweiz dem Konsumkreditgesetz (KKG), welches für Transparenz sorgt und die Prüfung der Kreditwürdigkeit verlangt. Das Ziel ist klar: Verbraucher sollen geschützt werden, Überverschuldung verhindert werden.

Wie sieht es in anderen Ländern aus?
Von den 300 grössten deutschen E-Commerce-Shops bieten 89 Prozent BNPL-Optionen an, Spitzenreiter ist der Bereich Mode & Bekleidung (riverty, 2025). Noch weiter geht es in den USA, wo Klarna eine Partnerschaft mit dem Essenslieferdienst DoorDash hat. Somit kann man die Sushi- oder Pizzalieferung auch später bezahlen – in vier zinsfreien Raten.

Zusammengefasst heisst das?

Die Kombination aus einer konservativen Zahlungsmoral und strengen gesetzlichen Vorgaben erschwert die Etablierung von BNPL in der Schweiz. Obwohl jüngere Generationen zunehmend Interesse an flexiblen Zahlungsmethoden zeigen, bleibt die Akzeptanz von BNPL im Vergleich zu anderen Ländern begrenzt.

Zielgruppen und Nutzung

BNPL-Dienste sprechen insbesondere jüngere Generationen wie die Generation Z und Millennials an, die Flexibilität bei Zahlungen schätzen. Allerdings zeigt sich auch eine zunehmende Akzeptanz bei älteren Kundengruppen:

Zielgruppe Motivation Verhalten

Hauptzielgruppe: 18–34 Jahre
(diese Altersgruppe nutzt BNPL am häufigsten)

Flexibilität beim Bezahlen, Wunsch nach sofortiger Lieferung ohne sofortige Belastung des Kontos.

Technikaffin, shoppen stark online und bevorzugen mobile Zahlungsmethode

Wachsender Markt: 16–24 Jahre
(immer mehr Nutzer dieser Generation entdecken BNPL)

Finanzielle Unabhängigkeit, gleichzeitig Kontrolle über Ausgaben. BNPL wirkt wie ein „sicherer Spielraum“ für grössere Käufe.

Sehr affin gegenüber Social Commerce – BNPL wird häufig direkt bei Social-Media-Käufen genutzt.

Zunehmende Akzeptanz: 35–50 Jahre
(nutzt BNPL seltener, aber die Akzeptanz wächst)

Budgetplanung, Flexibilität bei grösseren Ausgaben.

Ziehen BNPL vor allem bei teureren Anschaffungen wie Elektronik, Möbeln oder Sportgeräten öfter in Betracht.

Soziodemografische Merkmale

  • Einkommen: BNPL wird nicht nur von Geringverdienern genutzt – auch Personen mit mittlerem bis höherem Einkommen schätzen die Flexibilität, grössere Einkäufe zu staffeln.
  • Internationalisierung der Schweizer Bevölkerung
    Das Nutzungsverhalten in der Schweiz wird zunehmend von Menschen unterschiedlicher Nationalitäten geprägt. Im Jahr 2023 verfügten 3’019’000 Personen – das entspricht 40 % der ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren – über einen Migrationshintergrund.

Nutzungsmuster

  • Kaufverhalten: Häufige Online-Shopper, Käufer von Mode, Elektronik, Möbeln, Beauty-Produkten und Sportartikeln.
  • Impulseinkäufe: BNPL fördert spontane Käufe, da die psychologische Hemmschwelle für sofortige Zahlungen entfällt.
  • Social Commerce: BNPL wird zunehmend bei Käufen über Instagram, TikTok oder WhatsApp eingesetzt.

BNPL: Praktische Tipps für Schweizer Onlinehändler

  • Integration von BNPL: Die Integration von BNPL-Diensten kann die Conversion-Rate erhöhen, insbesondere bei höherpreisigen Produkten. Händler sollten jedoch die Konditionen und Gebühren der Anbieter sorgfältig prüfen.
  • Zielgruppenansprache: Es ist wichtig, die Zielgruppen genau zu kennen und BNPL-Angebote entsprechend zu bewerben, um die Akzeptanz zu steigern – besonders bei grösseren Warenkörben oder im Verkauf von Mode, Elektronik, Möbeln, Beauty-Produkten und Sportartikeln.
  • Transparenz und Aufklärung: Händler sollten ihre Kunden transparent über die Bedingungen von BNPL-Diensten informieren, um Vertrauen aufzubauen und verantwortungsbewussten Konsum zu fördern. Das kann z.B. in Form von FAQs sein.
  • Zielgruppen: BNPL-Dienste sprechen insbesondere jüngere Generationen wie die Generation Z und Millennials an, die Flexibilität bei Zahlungen schätzen. Allerdings zeigt sich auch eine zunehmende Akzeptanz bei älteren Kundengruppen, die man dabei nicht vernachlässigen sollte. 

FAQ

  • BNPL ermöglicht es Kunden, Produkte sofort zu bestellen, die Zahlung aber aufzuschieben oder in Raten zu begleichen. In der Schweiz bieten Anbieter wie TWINT, Klarna, PayPal oder CembraPay flexible Zahlungspläne an.

  • Mögliche Vorteile sind:

    • höhere Conversion Rates, besonders bei höherpreisigen Produkten
    • grössere Durchschnittswarenkörbe, da Kunden grössere Einkäufe besser planen können
    • die Möglichkeit, neue Zielgruppen wie Generation Z und Millennials anzusprechen
    • Käufer: Zinsfreie Optionen (14–30 Tage) oder Ratenzahlungen mit Zinsen bei längeren Laufzeiten (6–48 Monate). Mahngebühren bei verspäteter Zahlung möglich.
    • Händler: Transaktionsgebühren von ca. 1,5–3 % + fixe Gebühren pro Transaktion; kein Zinsrisiko, da das der Anbieter übernimmt.
  • Die wichtigsten Anbieter sind: TWINT, Klarna, PayPal, Swissbilling/CembraPay, AfterPay, RatePay, HeidiPay/HeyLight, Riverty. Die Wahl hängt von Zielgruppe, Geschäftsmodell und Prioritäten ab.

    • Hauptzielgruppe: 18–34 Jahre (technikaffin, online-first, mobil orientiert)
    • Wachsender Markt: 16–24 Jahre (stark affin für Social Commerce, flexible Zahlungen)
    • Zunehmende Akzeptanz: 35–50 Jahre (Budgetplanung, grössere Anschaffungen)
  • Ja. Kredite mit Rückzahlungsfristen über drei Monate unterliegen dem Konsumkreditgesetz (KKG).

    1. Wählen Sie Anbieter passend zur Zielgruppe und Zahlungspräferenzen.
    2. Informieren Sie Kunden transparent über Konditionen und Gebühren.
    3. Nutzen Sie BNPL besonders bei grösseren Warenkörben oder höherpreisigen Produkten.
    4. Testen Sie Integration, Conversion und Kundenzufriedenheit regelmässig.
  • BNPL wächst in der Schweiz, bleibt aber hinter Ländern wie Deutschland oder den USA zurück. Die konservative Zahlungsmoral und gesetzliche Rahmenbedingungen bremsen die Akzeptanz.

  • Ja. BNPL wird zunehmend für Käufe über Instagram, TikTok oder WhatsApp genutzt und erleichtert spontane Impulskäufe bei Social-Shopping-Erlebnissen.

Author

Andreas Langenegger, Head of Growth at Worldline Switzerland ist E-Commerce- und Payment-Experte bei Worldline und bringt über 20 Jahre Erfahrung im Payment-Umfeld mit. Mit seinem tiefen Verständnis des Schweizer und internationalen Payment-Ökosystems unterstützt er Händler und Partner dabei, komplexe Zahlungsthemen in praxisnahe Lösungen und nachhaltiges Wachstum zu übersetzen.

LinkedIn: Andreas Langenegger

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