Europäische Zahlungssouveränität beginnt jetzt

02 / 12 / 2025

Über Jahrzehnte war Europa im Zahlungsverkehr stark von außereuropäischen Netzwerken abhängig – technologisch wie geopolitisch. Doch mit dem digitalen Euro, Initiativen wie Wero und der European Payments Initiative (EPI) unternimmt Europa einen entschlossenen Schritt in Richtung Autonomie. Warum Zahlungssouveränität jetzt auf der Agenda steht – und welche Rolle Worldline dabei spielt, erklären Sheri Brandon, Global Head of New Business, Financial Services, und Thibault Pele, Head of Digital Currencies.

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EU flags flowing in the wind

Europas digitale und finanzielle Souveränität stärken

Der digitale Euro sowie Initiativen wie EPI und Wero stehen für Europas strategischen Weg zu mehr Autonomie. Durch den Aufbau eigener Lösungen kann Europa Abhängigkeiten reduzieren, seine Finanzinfrastruktur vor externen Krisen schützen und die Kontinuität von Zahlungen auch in Krisenzeiten oder bei Netzausfällen sicherstellen.

Thibault Pelé erklärt: „Ein einfaches Beispiel zeigt, warum wir unabhängiger von nicht-europäischen Lösungen werden müssen: Bei den Olympischen Spielen in Frankreich war ein exklusiver Sponsor aktiv – nur bestimmte Karten wurden akzeptiert. Das verdeutlicht, wie stark wir von außereuropäischen Netzwerken abhängig sind. Doch was passiert, wenn diese Systeme plötzlich ausfallen oder unter Sanktionen stehen?“

Pelé weiter: „Mit dem digitalen Euro bauen wir nicht einfach eine weitere Zahlungsschiene auf. Wir legen das Fundament für eine Zukunft, in der Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen in Europa echte Kontrolle über ihre Daten und ihr Geld haben. Es geht um Souveränität, Resilienz und finanzielle Teilhabe.“

Worldline als Schlüsselfaktor bei der Einführung des digitalen Euro

Kürzlich hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Ergebnisse ihrer Ausschreibung für die Vorbereitungsphase des digitalen Euro bekannt gegeben. Die Auswahl von fünf Komponenten samt zugehöriger Dienstleistungen markiert einen Wendepunkt für den europäischen Zahlungsverkehr. Worldline wurde als eines der beteiligten Unternehmen ausgewählt und ist als einziges mit Rahmenverträgen für drei zentrale Komponenten vertreten:

  • „Alias-Lookup” zum Schutz der Privatsphäre der Verbraucher,
  • „Sichere Übertragung von Zahlungsdaten” für einen verlässlichen Datenaustausch sowie
  • „Offline-Lösungen”, die Zahlungen ohne Internetverbindung ermöglichen.

Sheri Brandon betont: „Die Auswahl durch die EZB unterstreicht unsere Kompetenz und unser Engagement für ein widerstandsfähiges, nutzerzentriertes digitales Ökosystem – und rückt Worldline ins Zentrum der Entwicklung des digitalen Euro.“

Zahlungskontinuität und die Rolle des digitalen Euro

Bargeld bleibt ein wesentlicher Bestandteil der europäischen Finanzinfrastruktur. Doch in Ausnahmesituationen kann das System einen plötzlichen Anstieg der Bargeldnachfrage nicht immer bewältigen. Der digitale Euro ergänzt Bargeld und stellt sicher, dass Zahlungen auch dann möglich bleiben, wenn der Zugang zu Bargeld oder Netzwerken eingeschränkt ist.

Sheri Brandon: „Die EZB hat klar kommuniziert, dass jede und jeder etwa 100 Euro in bar für Notfälle bereithalten sollte. Wir müssen aber anerkennen, dass das System bei einer echten Krise überfordert wäre, wenn alle gleichzeitig Bargeld abheben. Der digitale Euro gewährleistet, dass Zahlungen auch dann funktionieren, wenn traditionelle Systeme unter Druck stehen. Er ist digitales Bargeld – ein sicheres, belastbares Pendant zu den Banknoten im Portemonnaie.“

Finanzielle Teilhabe für alle Europäer

In manchen Regionen Europas – insbesondere in ländlichen Gebieten des Südens – ist die Netzabdeckung weiterhin schwach, und der Zugang zu Bankdienstleistungen bleibt eingeschränkt. Für viele Menschen ist Bargeld dort nach wie vor das einzige verlässliche Zahlungsmittel.

„Finanzielle Teilhabe steht im Zentrum der Vision des digitalen Euro. Wir müssen sicherstellen, dass alle – von den Stadtzentren bis zu entlegenen Vororten – an der digitalen Wirtschaft teilhaben können“, so Sheri Brandon. „Die Offline-Komponente des digitalen Euro ist dabei entscheidend: Sie ermöglicht Zahlungen auch dort, wo die Konnektivität schwach ist. So wird digitale Zahlung auch für diejenigen möglich, die bisher ausgeschlossen waren.“

Zeitplan: Vom Konzept zur Realität

Laut EZB startet das Projekt „Digitaler Euro“ offiziell im kommenden Jahr, die Einführung für Verbraucher und Händler ist für 2029 vorgesehen. Dieser Zeitplan verdeutlicht den Umfang und die Komplexität des Vorhabens.

Brandon erläutert: „Ab 2029 sollen Verbraucher direkt aus ihren digitalen Wallets mit dem Euro bezahlen können – und Händler müssen bereit sein, diese Zahlungen zu akzeptieren. Das bedeutet umfassende Anpassungen für Banken, Händler und Infrastrukturanbieter. Dabei unterstützen wir sie.“

Sie fügt hinzu: „Wir arbeiten bereits mit vielen der größten europäischen Banken zusammen und unterstützen ebenso kleinere Institute, die vor größeren regulatorischen und technologischen Herausforderungen stehen. Worldline ist eines der wenigen Unternehmen, das in allen Bereichen der Zahlungswertschöpfungskette aktiv ist – vom Issuing über das Processing bis hin zu Händlerdienstleistungen. Ob lokale Bank oder internationaler Player: Wir verbinden sie nahtlos mit Multirail-Lösungen wie Wero und dem digitalen Euro.“

Innovation und Inklusion vorantreiben

Dank seiner europaweiten Erfahrung ist Worldline ein verlässlicher Partner für die EZB und das gesamte europäische Zahlungssystem. Die frühe Einbindung in das Digital-Euro-Projekt unterstreicht das Engagement, Banken jeder Größe dabei zu unterstützen, regulatorische und technologische Veränderungen zu bewältigen.

Sheri Brandon fasst zusammen: „Worldline ist bereit, alle Marktteilnehmer zu unterstützen. Selbst große Banken erkennen den Wert eines Partners, der die Komplexität europäischer Zahlungsstrukturen versteht.”

Der digitale Euro bietet Händlern und Konsumenten gleichermaßen handfeste Vorteile: Händler erhalten sofortige Liquidität und Nutzer profitieren von verbessertem Datenschutz. Zudem entsteht eine Plattform für kontinuierliche Innovation. Vor allem aber schließt er Regionen und Bevölkerungsgruppen an, die bisher vom Bankennetz unterversorgt waren.

Ausblick: Die Zukunft des Zahlungsverkehrs gestalten

Die Reise hin zu europäischer Zahlungssouveränität hat gerade erst begonnen. Worldline wird auch zukünftig Innovationen fördern, Teilhabe ermöglichen und Europa beim Aufbau einer robusten und widerstandsfähigen digitalen Zahlungsinfrastruktur unterstützen.

Thibault Pelé bringt es auf den Punkt: „Zahlungen sind zentral für Europas Autonomie und Souveränität. Der digitale Euro wird ein weiteres Instrument sein, um dieses Ziel zu stärken. Worldline ist stolz darauf, einen Beitrag zur Umsetzung dieser Vision zu leisten.“

Erfahren Sie mehr über die Rolle von Worldline bei der Innovation im europäischen Zahlungsverkehr:

  1. Unser Ansatz für digitale Zahlungslösungen
  2. Kontaktieren Sie uns für weitere Informationen zur europäischen Zahlungsinfrastruktur
Sheri Brandon

Sheri Brandon

Global Head of New Business Worldline Financial Services
Sheri Brandon ist seit 2020 bei Worldline. Während ihrer Laufbahn in der Zahlungsverkehrsbranche hat sie den SEPA-Zahlungsverkehr und den Kartenrahmen maßgeblich beeinflusst. Sie hat einen Bachelor-Abschluss in Informatik und ist davon überzeugt, dass Technologie die transformative Kraft ist, die den Zahlungsverkehrssektor maßgeblich verändert.
Thibault Pelé

Thibault Pelé

Head of Digital Currencies Worldline Financial Services
Thibault Pelé ist als Produktmanager bei Worldline Financial Services tätig und erforscht das Potenzial digitaler Währungen für die Zukunft des Finanzwesens.